Freitag, 19. Dezember 2014

Neues aus der Kindergeschenkehölle...

Weihnachten naht und damit auch die Frage nach schönen, kindgerechten Geschenken für die Kleinen in unserer Familie.

Und da bin auch ich mal wieder in die Vorhölle der Spielwaren- und Kinderbuch-Industrie hinabgestiegen. Habt Ihr schon gehört, was man sich an der Kinderbuchfront ausgedacht hat?
Eltern müssen fortan nicht mehr mit Ihren Kindern beim Vorlesen reden, ja, sie müssen Ihnen überhaupt nicht mehr Vorlesen. Müssen Bilder in Büchern nicht mehr erklären, müssen sich keine kleinen Geschichten mehr dazu ausdenken, nicht mehr gemeinsam mit Kindern nachdenken über Vorgelesenes oder Gesehenes. Keine Fragen beantworten, die auftauchen, keinen Ideen nachgehen, die den Kindern beim Vorlesen einfallen. Die lieben Kleinen können ihren Wissensdurst und ihren Hunger nach "emotionalem Eintauchen in die Erlebniswelt" (Zitat hier im Video bei Minute 1:20) gefälligst auch alleine stillen.

Die Firma mit der blauen Ecke hatte da nämlich so eine ganz tolle Idee: Kinder können das fortan alles selbst und allein. Und die Eltern können sich jetzt endlich auch einmal eine Pause gönnen. Vielleicht ein bisschen auf ihrem neuesten Tablet rumspielen und sich erholen vom Shoppingmarathon der letzten Wochen. Ganz ohne quälende Kinderfragen, die unsäglichen Bitten, dieses oder jenes noch mal zu lesen oder zu erklären.
Ist doch großartig!

Und wie funktioniert's?
Mama und Papa oder Oma und Opa oder wer auch immer des Vorlesens mächtig ist werden nicht mehr gebraucht, die sind nämlich ersetzt.

Durch einen... äh, ja...durch einen Stift.
Einen blöden, billigen*, noch nicht mal hübsch anzusehenden, immer verfügbaren, auf Knopfdruck pseudo-pädagogischen Mist quasselnden Plastikstift.

Mal ehrlich, liebe Ravensburger: Ich bin mit euren Spielsachen, Puzzles, Büchern groß geworden und finde vieles toll. Aber diese Idee, die ist, entschuldigung, einfach nur krank.

In diesem Sinne:
Bitte, bitte schenkt Euren Kinder Bücher, die man selbst lesen und angucken muss. Die ein echter Mensch vorlesen muss. Ohne einen sprechenden Stift, der noch nicht mal eine schöne Stimme hat. Und wenn das ein Problem ist, dann schenkt gleich einen Gutschein für Vorlese-Zeit dazu. Das ist nämlich ohnehin das Beste, was man schenken kann. Zeit für seine Kinder.


Liebe Grüße,
Stefanie

* billig nicht im tatsächlichen Sinne: Das Ding kostet, meine ich, 39,99 Euro

Kommentare:

  1. Es kommt wie immer darauf an wie man mit dem Angebot umgeht. Es ist ja nicht verboten sich mit Kind Buch und Stift hinzu setzen und zu lesen.
    Unsere Tochter mag die Bücher gern und bekommt trotzdem vorgelesen oder liest uns vor. Gerade während der Zeit des Lesen lernes waren die Bücher sehr beliebt.

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  2. Für mich damals (als es noch keine VORLESE-STIFTE gab), war es gerade wunderschön die Entwicklung meines Kindes und heute meiner Enkel nachvollziehen zu können. Auch in der Zeit des Lesen lernens ist es herrlich sich selbst vorlesen zu lassen. Ich bin auch wie Steffi absolut gegen JEDE Automatisierung ALLER Lernprozesse!! Die Entwicklung der Kinder sollte am Kind ausgerichtet sein und nicht an Lernhilfsmitteln. Uschi

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  3. Ohja, die brühmten sprechenden Stifte! Hatte unsere Oma auch mal vorsichtig angefragt, aber ich habe es abgeschmettert. Wir kuscheln uns zum Vorlesen immer ins Bett oder auf die Couch. Wenn es draußen kalt ist, bekommt jeder noch einen Kakao und alles ist gut.
    Mir persönlich sagt der Stift auch überhaupt nicht zu, aber ich muss auch Atelier.Felu zustimmen - es kommt immer sehr darauf an, wie man das Angebot nutzt und begleitet. Verteufeln würde ich es nicht, aber es passt auch nicht zu uns...

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Ich freue mich, von Euch zu lesen!